Senat verschwieg Corona-Todesfall in Flüchtlingsunterkunft

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Der Senat räumt nun ein, dass es einen ersten Corona-Todesfall in einer Unterkunft für Geflüchtete gab. Wie er auf eine Anfrage (Drs. 22/273) der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft mitteilt, ist ein 80-jähriger Bewohner am 2. Mai 2020 nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus am 22. April an den Folgen einer Corona-Infektion verstorben. Noch am 12. Mai hatte der Senat darüber jedoch in seiner Antwort auf unsere Anfrage (Drs. 22/147) nicht informiert. „Der Senat gibt seine Antworten auf Basis der Informationen von fördern&wohnen. Das Unterkunfts- und Sozialmanagement ist in solchen Fällen informiert. Ich halte es für ausgeschlossen, dass gerade schwere Verläufe nicht zentral verzeichnet werden“, kritisiert Carola Ensslen, flüchtlingspolitische Sprecherin der Fraktion. „Für mich liegt also auf der Hand, dass entweder der Senat oder fördern&wohnen das tragische Ereignis nicht an die Öffentlichkeit kommen lassen wollten.“

Es gibt weitere Ungereimtheiten: Der Verstorbene hat sich bei einer Person aus seinem Umfeld infiziert (sog. Indexperson), vermutlich ebenfalls aus der Unterkunft. Von dort ist aber zu hören, dass es für die Familie des Verstorbenen keine Quarantänemaßnahmen gab. „Warum wurden der Verstorbene und sein Umfeld nicht von anderen Menschen isoliert?“, fragt Ensslen. „Das hat andere Geflüchtete, insbesondere mit Vorerkrankungen, gefährdet. Wieder einmal zeigt sich, dass die enge Belegung ein Risikofaktor ist – jetzt mit einem ersten Todesopfer. Nicht einmal um die Information der anderen Bewohner_innen will fördern&wohnen sich kümmern und versteckt sich hinter dem Datenschutz. Dabei könnte entweder anonym oder mit Einwilligung der Erkrankten informiert werden.

Eine Auswertung der Antworten auf die Anfrage können Sie hier nachlesen.

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